HERCULES-Tag: Mit der Nase in die Vergangenheit

Es muss schon irgendwas dran sein, wenn sich jedes Jahr am letzten Aprilsonntag Fahrer, Freunde und ehemalige Mitarbeiter der längst untergegangenen Marke HERCULES im Merk Motor Museum treffen.


Immer die selben Fahrzeuge, und jedes Mal ein paar neue alte dazu; dieselben Gesichter und auch hier immer wieder ein paar Neue. Oder neue Alte. Vor allem aber: Immer wieder die selben Geschichten, die sie sich beim Gang durch die aufgereihten Fahrzeuge erzählen.
Stets mit glänzenden Augen, weil sie ja dabei waren. Als Jugendliche, die sich damals so eine K50 vom Lehrlingsgeld zusammengespart haben. Mit der sie zum ersten Mal im Leben weiter als mit dem Fahrrad gekommen sind. Ohne nervige Eltern, dafür mit Ravioli und Camping-Kocher samt Schlafsack und Zelt im Gepäck. Es war nicht wichtig, wie weit man fuhr. Wichtig war nur, dass man fuhr.

Genau dieser Geist der natürlich oft glorifizierten Vergangenheit streift durch die Reihen der Besucher, die den 12. Hercules-Tag langsam an den Rand seiner räumlichen Kapazität auf dem Museums-Gelände bringen. „Weißt du noch“, ist wohl der meistbenutzte Satzanfang an diesem sonnigen Frühlingssonntag.
Endgültig emotional wird es dann beim Start zur gemeinsamen Ausfahrt, wenn über die Hälfte der knapp 90 ausgestellen Fahrzeuge aller Alters- und Hubraumklassen angelassen werden. Jetzt kommt noch der intensive Geruch von Zweitaktabgasen dazu, den nur diejenigen als „Gestank“ bezeichnen, die damit keine Emotionen längst vergangener Tage verbinden können.
Wer den Tag im Namen des großen Nürnberger Fahrzeugherstellers verpasst hat, bekommt dieses Jahr eine zweite Chance. Am 19. und 20. Juni treffen sich die HERCULES-Freunde jetzt bundesweit im Gasthof Sponsel in Oberfellendorf oberhalb von Streitberg. Ausfahrten gehen am Freitag in das Privatmuseum eines ehemaligen HERCULES-Mitarbeiters ganz in der Nähe. Und am Samstag rollt die Karawane, eingehüllt in herrlich duftendes Zweitaktabgas, zum Merk-Museum. Um hier die wohl weltweit öffentlich zugängliche Ausstellung an Fahrzeugen aus den Hallen an der Nopitschstraße zu bestaunen.
Text: Mathias
Fotos: Thomas Reinwald

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