Samstag, 9. Mai 2026
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Alle Jahre wieder friedlich und voll

Über ein halbes Jahrhundert ist es inzwischen her, als sich sieben Jugendliche und ein Bündel Freibiermarken von der Tankstelle an der Münchner Straße in Nürnberg auf den Weg nach Kloster Weltenburg machten, um dort Papier in Bier umzuwandeln.

Das Vorhaben gelang der Legende nach nur unvollständig; im darauffolgenden Jahr brachte deshalb jeder noch einen Moped fahrenden Kumpel mit.

Was daraus wurde, konnte man auch dieses Jahr wieder erleben. Keine einzige Freibiermarke im Umlauf, dafür – laut Polizeischätzung – 25.000 Biker, die dieses traditionell nichtorganisierte Treffen auf inzwischen beiden Fahrtrichtungen der Münchner Straße besuchten. Wobei die Polizei jeweils einen Fahrstreifen für Rettungseinsätze und entspanntes Cruisen zwischen den Tankstellen und der Autobahnauffahrt freihielt.

Die Gründe für das Erscheinen der Motorrad-Massen sind vielfältig. Sehen, und gesehen werden, Freunde treffen – oder einfach nur Mopped gucken. Das hört man von den Leuten auf Kleinrollern über Supermotos und ganz normalen Tourern bis zu wilden Custombike-Umbauten, Gespannen, Trikes und Quads. Jeder darf hier, niemand wird ausgeschlossen, die Stimmung ist entsprechend locker.

Für einen Aufschrei in den sozialen Medien sorgte vorab eine Allgemeinverfügung der Stadt Nürnberg, im Bereich der Münchner Straße musikalische Darbietungen, Gastrostände und fliegende Händler zu verbieten. Was in den entsprechenden Foren sofort als Behördenschikane ausgelegt wurde, ist eher der sicher nicht ganz verkehrte Versuch der Verwaltung, ein Ausufern des bisher geduldeten Treffens zum wilden Festival zu verhindern. Nachdem sich ein paar Händler schon seit vielen Jahren auf dem Tankstellengelände präsentiert hatten, konnte man im letzten Jahr eine massive Zunahme an Buden und Imbisswagen beobachten, die die umliegenden Parkplätze und sogar den Standstreifen der stadtauswärtsführenden Münchner Straße okkupierten.

Erfreuliches gibt es von der Polizei zu berichten. Gab es hier in frühen Jahren immer wieder Reibungspunkte zwischen den Polizeischülern der nahegelegenen Bereitschaftspolizei und krawallbereiten Bikern, ist inzwischen das Verhältnis sehr entspannt. Die Beamten sehen zum Beispiel über die mehr oder weniger geglückten Wheelies spätpupertierender Jünglinge (als Paarungsritual?) einfach schmunzelnd hinweg. Und die Masse der Biker will schlicht nur einen netten und stressfreien Vormittag im Kreis Gleichgesinnter verbringen.

Spätestens wenn heimische Knödel oder die Fränkische rufen, löst sich die Geschichte zum Mittagsläuten genauso unkompliziert und unfallfrei wieder auf, wie sie begonnen hat. Und auch ohne Buden und Imbisswagen blieb niemand verhungert oder verdurstet zurück.

Ob allerdings noch Irgendjemand dieses Jahr mit oder ohne Freibiermarken anschließend nach Kloster Weltenburg gefahren ist, entzieht sich der Kenntnis des Berichterstatters.

Text: Mathias
Fotos Gregor

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